Neues Schuljahr mit weiterhin ungelösten Problemen

„Ein viel zu hoher Altersdurchschnitt, damit einhergehend eine hohe Krankheitsanfälligkeit der Lehrer, Stundenausfälle trotz eines statistischen Personalüberhangs, unzureichende Neueinstellungen, fehlende Eigenverantwortung der Schulen, schleppender Ausbau der Ganztagsangebote, Schulleitungen jahrelang in Vertretung und ohne entsprechende Bezahlung, das sind nur einige der ungelösten Probleme, vor denen die Thüringer Schulen auch im jetzt beginnenden Schuljahr stehen“, betont die Bildungspolitikerin Michaele Sojka.

Bereits 2004 hatte der damalige CDU-Kultusminister Goebel das Personalproblem mit der Bemerkung „Schüler wollen nicht nur von Omas unterrichtet werden“ im Kern richtig benannt, für seine unpassende Wortwahl allerdings harsche öffentliche Kritik geerntet. Weder unter einem CDU- noch unter einem SPD-Bildungsminister wurde adäquat auf den sich immer weiter erhöhenden Altersdurchschnitt der Pädagogen mit ausreichenden Neueinstellungen an den Schulen reagiert. Frau Sojka verweist darauf, dass deshalb der aktuelle Altersdurchschnitt der Thüringer Lehrerinnen bei 50,6 und der Lehrer bei 52,2 Jahren liegt. Daraus resultierten Probleme, wie erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen, psychische Erschöpfung bis zum Burn-Out und auch Motivationsverlust. Entsprechend früher scheiden die Pädagogen aus dem Schuldienst aus, wie die aktuelle Beantwortung einer Kleinen Anfrage der LINKEN (DS 5/3090) durch das Bildungsministerium zeigt: Frauen scheiden durchschnittlich mit 56,3 Jahren aus und Männer mit 60,3 Jahren. „Insofern können die jetzt realisierten Einstellungen von 107 neuen Lehrern den dringenden Bedarf überhaupt nicht decken. Auch die über das gesamte Schuljahr vorgesehenen Neueinstellungen von insgesamt 300 Lehrern werden selbst den eigenen Forderungen von CDU und SPD nicht gerecht. Im Koalitionsvertrag wurden 400 Neueinstellungen jährlich vereinbart und vor der Wahl haben beide Parteien unisono 500 Einstellungen jährlich gefordert“, sagt die Bildungspolitikerin

„Es gibt eine ganze Reihe weiterer offener Baustellen, über deren Beseitigung keine Aussagen getroffen werden.“ Frau Sojka verweist auf den schleppenden Ausbau von Ganztagsschulen ab Klasse 5, die weiterhin nicht vorhandene Eigenverantwortung der Schulen in Personal- und Etatfragen, die über Jahre hinweg kommissarisch eingesetzten Schulleiter ohne Gehaltsausgleich, die noch immer viel zu wenigen Schulsozialarbeiter (ein vor zwei Jahren angekündigtes Landesprogramm Schulsozialarbeit wurde noch immer nicht umgesetzt) oder auf die nicht ausreichenden personellen und materiellen Voraussetzungen für die flächendeckende Einführung des gemeinsamen Unterrichts von Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf in ganz Thüringen.

Mehr aktuelle Themen