Männlichkeitsbilder ungleichheitsfördernd und gewaltbejahend – Gleichstellungspolitik gefragt

Karola Stange
PresseKarola Stange

Eine jüngst veröffentlichte Studie der Organisation Plan International zu Männlichkeitsbildern offenbart eine weiterhin tiefe Verankerung von ungleichheitsfördernden traditionellen Rollenbildern bei jungen Männern zwischen 18 bis 35-jährigen. Karola Stange, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und gleichstellungs- und frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Thüringer Landtag, zeigt sich sehr entrüstet: 

„Die repräsentative Studie zeigt, dass es in unserer Gesellschaft noch an breiter Sensibilisierung von Gendering und der Förderung für ein Bewusstsein für Gleichberechtigung bei jungen Männern fehlt. Laut Studie erachtet fast jeder dritte junge Mann Gewalt gegenüber der Partnerin als akzeptabel. Ein Drittel hat sogar bereits Gewalt gegenüber Frauen angewendet, um Respekt zu erhalten. Hierin zeigt sich ein Verständnis von Gewalt als ein probates Mittel, um eigene Machtansprüche durchzusetzen. Das ist völlig inakzeptabel. Ich bin absolut sprachlos, dass sich in den jüngeren männlichen Generationen solche Verständnisse und Selbstbilder weiterhin verbreiten, trotz der heute vermehrten Aufklärung und Sensibilisierung.“

Stange verweist auf die Anzahl an Gewaltdelikten gegen Frauen: Medienberichten zufolge werden im Freistaat jährlich zwischen 1.780 bis 2.400 Frauen Opfer von Gewalt. Gewalt ist bereits Alltag, solche Rollenbilder von Männlichkeit fördern diese problematischen Entwicklungen erst recht, meint die Abgeordnete.

„Mit der Gewaltakzeptanz gehen auch weitere auf Ungleichheiten basierenden Ansichten mit dem traditionellen Männlichkeitsbild einher, dass offenbar bei jungen Männern noch immer Salonfähigkeit genießt: Der Mann müsse Haupternährer und die Frau zu Hause für die Care-Arbeit zuständig sein, habe sich laut Studie bei rund einem Drittel der Befragten finden lassen. Fast die Hälfte der Befragten befürwortet die Dominanz von und die Unterdrückung durch Männlichkeit, da sie die Ansicht vertreten, die Entscheidungsmacht solle letztlich beim Mann liegen“, führt Stange weiter aus.

Hinzu komme auch eine fehlende Offenheit und Toleranz gegenüber LGBTIQ: Fast jeder zweite Befragte stört sich an öffentlich sichtbarer Homosexualität. „Ein solches Ausmaß eines strengen und rückschrittlichen Rollenverständnisses untergräbt die Gleichstellung, reproduziert und fördert Ungleichheiten sowie geschlechterspezifische Gewalt. Hier muss dringend gegengesteuert werden. Wenn wir echte Gleichberechtigung erreichen wollen, unabhängig davon, welchem Geschlecht oder welcher Sexualität ich mich zugehörig fühle, ist diese Studie als ein Weckruf für mehr Gleichstellungspolitik zu verstehen“, schließt Stange ab.

Quellenhinweis: https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/sued-thueringen/ilmenau-ilmkreis/gewalt-gegen-frauen-148.html

 

Mehr aktuelle Themen