Equal-Pay-Day 2023 - gerechte Bezahlung zwischen Frauen und Männern sollte kein Kunststück mehr sein
Anlässlich des diesjährigen Equal-Pay-Day äußert sich Lena Saniye Güngör, Sprecherin für Arbeits- und Gewerkschaftspolitik im Thüringer Landtag wie folgt:
„Um den Betrag zu verdienen, den Männer bereits am 31.12.2022 erzielten, müssen Frauen bis zum sogenannten Equal-Pay-Day (EPD) des Folgejahres arbeiten, der auf den 7. März fällt. Die unbereinigte Lohnlücke zwischen Frauen und Männern beträgt immer noch 18 Prozent (Stand 2022). Dies zieht schwerwiegende Folgen nach sich, welche sich in einer geringeren Rente und ein höheres Risiko für Altersarmut ausdrücken. Ursächlich dafür sind immer noch Ungleichheiten zwischen den Beschäftigungsverhältnissen. Weibliche Beschäftigte arbeiten öfters in prekären Beschäftigungsverhältnissen, die sowohl weniger Aufstiegsmöglichkeiten bieten als auch einen geringeren Verdienst und schlechtere Entwicklungsmöglichkeiten. Die Wahl einer Beschäftigung wird außerdem nach wie vor von veralteten Rollenstereotypen geprägt.“
Weiter führt Güngör aus: „Das diesjährige Motto des Equal-Pay-Day „Die Kunst der gleichen Bezahlung“ zeigt dieses Jahr anhand des Kunst- und Kulturfeldes exemplarisch auf, dass die gleiche Bezahlung von Frauen nach wie vor als gesellschaftliches Kunststück angesehen wird. Dabei stellt die ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit per gesetzlicher Definition eine Form der Diskriminierung dar. Im Kulturbereich besteht eine eklatante Lohndifferenz von 20 Prozent zwischen Frauen und Männern (Stand 2023). Im Kulturbereich werden wie durch ein Brennglas die gleichen strukturellen Ursachen widergespiegelt, die zu einer gesamtgesellschaftlichen Lohndifferenz von 18 Prozent führen.“
Die Sprecherin für Soziales, Gleichstellung und Behindertenpolitik der Fraktion DIE LINKE, Karola Stange, fügt dem hinzu: „In der Kulturwirtschaft spielen veraltete Rollenstereotype bei der Besetzung von Führungspositionen, Filmen, Regieaufträgen und der Vergabe von Aufträgen eine weiterhin viel zu große Rolle. Gerade im Kulturbereich zählt: Wer sichtbar ist, verdient auch mehr. Nur 22 Prozent der Theater werden von Intendantinnen geleitet. Frauen werden seltener als Expertinnen geladen, im Fernsehen sind diese nur halb zu oft zu sehen. Gerechte Bezahlung ist also auch eine Folge der strukturellen fehlenden Sichtbarkeit von Frauen im Kultursektor, die endlich aufgebrochen werden muss.“
Abschließend führt Güngör aus: „Aus diesem Grund unterstützten wir zum diesjährigen Equal-Pay-Day die Forderungen dass:
> Frauen und Männern den gleichen Zugang zu Führungspositionen im Kulturbereich haben,
> Familie und Beruf für Frauen vereinbar sind und nicht zu einem vorzeitigen Karriereende führen, weil Netzwerke zu Auftragsgeber:innen nicht mehr gepflegt werden können,
> für Kunstwerke nicht weniger bezahlt wird, nur weil sie von einer Frau geschaffen wurden,
> das Entgelttransparenzgesetz auch auf Betriebe unter 200 Beschäftigten ausgeweitet wird, da Betriebe unter 200 Beschäftigten immer noch keine Auskünfte über die Entlohnung der Beschäftigten angeben müssen.“

