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von Susanne Hennig-Wellsow

 

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#18 - Mehr Mut für unsere Pläne

Liebe*r Leser*in,

 

es ist in diesen Tagen wieder viel vom »Stand der deutschen Einheit« die Rede. Die Bundesregierung kommt mit ihrem Jahresbericht, viele Forschungsinstitute bringen neue Daten über die soziale und ökonomische in Ost und West heraus. Die viel zu lange »neu« genannten Länder erscheinen darin oft vor allem als eine Problemzone - geringere Einkommen, zurückbleibende Wirtschaftskraft, Demokratieverdrossenheit und Rechtsextremismus.

 

All das sind Herausforderungen, denen wir als LINKE uns stellen und immer gestellt haben. Auf der Straße, wenn wir gegen Neonazis protestieren. In den Kommunen, wenn wir um Mitbestimmungsmöglichkeiten ringen. Im Parlament, wo wir soziale und ökologische Politik machen.

 

Ich schreibe das auch deshalb, weil Jahrestage der Wiedervereinigung gern jene auf den Plan rufen, die nur vom Erreichten sprechen. Dass sich seit der Wende viel Begrüßenswertes getan hat, will ich auch gar nicht bestreiten. Im Gegenteil. Mir ist es aber umso wichtiger, den Blick auf jene zu richten, die den tief greifenden Wandel nicht nur erlebt, sondern auch selbst vollzogen und gestaltet haben.

Liebe*r Leser*in,

es ist in diesen Tagen wieder viel vom »Stand der deutschen Einheit« die Rede. Die Bundesregierung kommt mit ihrem Jahresbericht, viele Forschungsinstitute bringen neue Daten über die soziale und ökonomische in Ost und West heraus. Die viel zu lange »neu« genannten Länder erscheinen darin oft vor allem als eine Problemzone - geringere Einkommen, zurückbleibende Wirtschaftskraft, Demokratieverdrossenheit und Rechtsextremismus.

All das sind Herausforderungen, denen wir als LINKE uns stellen und immer gestellt haben. Auf der Straße, wenn wir gegen Neonazis protestieren. In den Kommunen, wenn wir um Mitbestimmungsmöglichkeiten ringen. Im Parlament, wo wir soziale und ökologische Politik machen.

Ich schreibe das auch deshalb, weil Jahrestage der Wiedervereinigung gern jene auf den Plan rufen, die nur vom Erreichten sprechen. Dass sich seit der Wende viel Begrüßenswertes getan hat, will ich auch gar nicht bestreiten. Im Gegenteil. Mir ist es aber umso wichtiger, den Blick auf jene zu richten, die den tief greifenden Wandel nicht nur erlebt, sondern auch selbst vollzogen und gestaltet haben.

Wir sollten darin einen Vorsprung an Erfahrungen sehen, der gerade dann wichtig ist, wenn wie jetzt wieder tief greifende Veränderungen anstehen. Wir sollten daraus Selbstbewusstsein ziehen, auch Mut zu neuem Wandel. Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Wenn wir LINKEN von notwendigen Systemveränderungen sprechen, sollten wir von den Menschen im Osten nicht schweigen, die einen Systemwechsel schon erlebt haben. Es geht mir dabei nicht um falsche Gleichsetzungen, sondern darum, aufmerksam für die Folgen von Veränderungen zu sein, die wir selbst fordern.

Wenn neuerdings verstärkt vom Respekt vor den Lebensleistungen der Ostdeutschen die Rede ist, wird von anderer Seite meist schnell mit Zahlen reagiert. Ist nicht die Erwerbslosigkeit gesunken? Sind nicht die Innenstädte saniert worden? Hat nicht der Aufbruch vom Herbst 1989 demokratische Freiheiten erkämpft?

Ja, so ist es, und ich bin so dankbar dafür, wie ich mich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben kann. Wir in Thüringen haben das immer zum Maßstab unserer Politik gemacht: gleichwertige Lebensverhältnisse, gerechte Chancen wo auch immer man wohnt, Überwindung des Rückstandes und der Benachteiligungen. Aber es geht im Leben nicht nur um Sozialdaten und Wirtschaftskennziffern. Es geht auch um Anerkennung subjektiver Erfahrungen, um Respekt vor biografischen Brüchen, vor der Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.

Wir LINKE haben als Partei ostdeutscher Interessenvertretung viel erreicht. Wir können aber auch noch viel lernen. Zum Beispiel von jenen Initiativen und Netzwerken der jüngeren Generationen, in denen ein neuer, selbstbewusster Blick auf den Osten vorherrscht. Die einen neuen Aufbruch Ost von unten verkörpern. Die mit Solidarität und Weltoffenheit, mit Lust auf progressive Veränderung und soziales Engagement den  anderen Osten zeigen.

Denn das Leben im Osten ist bunt und vielfältig. Ja, es gibt hier viele Probleme - aber auch viele Problemlöser. Nicht selten erweist sich das dabei Geleistete als Vorreiter für den Westen. Was übrigens auch dann eine richtige Feststellung bleibt, wenn man in den »alten« Bundesländern davon lieber nichts hören will.

Manchmal bringt der Blick auf den Osten sogar unfreiwillig schlechte Witze hervor wie jenen, den ich vor gar nicht allzu langer Zeit in einem der vielen »Ost-Papiere« gelesen habe, die Parteien gern schreiben: »Als Experimentierraum für autonomes Fahren bringt Ostdeutschland gute Voraussetzungen mit.« Wie bitte? Weil inzwischen nur noch so wenig Leute hier wohnen? Ja, das Lachen bleibt einem im Halse stecken. Denn so toll ist die Abwanderung aufgrund mangelnder Lebenschancen nun wahrlich nicht.

Dabei habe ich ganz und gar nichts gegen Experimentieren! Von mir aus auch mit neuen Mobilitätskonzepten, dann aber genossenschaftlich organisiert, ökologisch und sozial gerecht. Oder mit Laboren für solidarische Ökonomie, neue Stadt-Land-Verbindungen, direkte Demokratie und vielem mehr. Die Corona-Krise war keineswegs die erste, welche die Schwachstellen, Widersprüche und Ungerechtigkeiten im Kapitalismus eindringlich gezeigt hat. Lasst uns also mit realistischem Blick, progressivem Pragmatismus und Mut zur Veränderung einen neuen Aufbruch Ost wagen. Unseren eigenen.

Statt weiter auf eine »Angleichung« zu setzen, die im Grunde nur das Einholen des westdeutschen Status quo zum Ziel hat, sollten wir mehr Mut für unsere Pläne haben. Für solidarische und ökologische Alternativen. Für fröhlichen Eigensinn Ost statt falschen Nachbau West. Für eine Politik, der es nicht allein darum geht, noch bestehende Unterschiede wegzubügeln. Sondern die das gewachsene und gelebte Andere weiterentwickeln, gerechter, noch lebenswerter machen möchte.

Ganz herzliche Grüße.

Bleib vor allem gesund.

Deine Susanne