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3. November 2017

Unterstützernetzwerk des NSU von mindestens 30 Personen in Thüringen

Anlässlich des morgigen 6. Jahrestages der Selbstenttarnung des NSU-Kerntrios am 4.11.2011 erklärt Katharina König-Preuss, Obfrau der Fraktion DIE LINKE im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss: „Mindestens 30 Thüringerinnen und Thüringer unterstützten das NSU-Kerntrio vor allem während der ersten Zeit ihres Lebens im Untergrund. Es wurde dem Kerntrio zur Flucht verholfen, man unterstützte es finanziell und verfügte über Kenntnisse zum Ort der Untergetauchten. Zum Thüringer Netzwerk gehörten nach bisherigen Kenntnissen auch zehn V-Leute unterschiedlicher Dienste.“ Darüber hinaus gebe es Hinweise auf mögliche weitere Unterstützer in zweistelliger Zahl, zu deren konkreten Handlungen jedoch bisher keine Belege existieren würden, so König-Preuss.

Das Aufdecken und Verfolgen des Unterstützernetzwerkes sei auch mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Thüringer Neonaziszene und deren Bekämpfung wichtig: „Einige der bisher bekannten Personen sind bis heute in der extrem rechten Szene Thüringens aktiv und verorten sich weiterhin in dieser menschenverachtenden Ideologie“, so König-Preuss. So sei spätestens mit den drei großen RechtsRock-Konzerten in Themar öffentlich sichtbar geworden, dass nicht nur Unterstützer des NSU-Kerntrios oder ehemalige Mitglieder des Thüringer Heimatschutzes, sondern auch maßgebliche Strukturen der extrem rechten Szene weiterhin - manche trotz Verbot - aktiv seien und den Zusammenschluss suchten. Katharina König-Preuss dazu: „Es sind keine reinen RechtsRock-Konzerte, sondern Vernetzungstreffen einer Szene, deren Ideologie Gewalt, bis hin zum Mord gegenüber Andersdenkenden und Andersaussehenden, als wesentlichen Bestandteil beinhaltet. Dies wurde offensichtlich sowohl durch die angereisten Strukturen (wie bspw. ‚Blood & Honour‘, ‚Combat 18‘, ‚Hammerskins‘, ‚Turonen/Garde 20‘, ‚Der III. Weg‘ etc.) als auch durch die gesungenen rassistischen, antisemitischen, die NS-Zeit verherrlichende Lieder aber auch durch entsprechende Äußerungen der Redner.“

Leider sei auch sechs Jahre nach der Selbstenttarnung nicht genügend geschehen, um das bundesweite Netzwerk um den NSU auszuleuchten und weitere für die Verbrechen Verantwortliche vor Gericht zu stellen. Dies sei jedoch unabdingbar, wolle man dieses Versprechen an die Angehörigen der Ermordeten und die weiteren Opfer des NSU erfüllen.
König-Preuss hofft, dass es dem Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss gelingt, weitere Erkenntnisse zum Unterstützernetzwerk zu erlangen und damit sowohl den Fragen der Opferangehörigen als auch dem Auftrag der Aufklärung gerecht zu werden.

„Die bisherige Straflosigkeit für bekannte NSU-UnterstützerInnen ermutigt und befördert militante Neonazi-Strukturen und trägt damit zu einer weiteren Radikalisierung der Szene bei. Hier wären dringend entsprechende Maßnahmen des Bundeskriminalamts und der Generalbundesanwaltschaft nötig“, so König-Preuss.