3. November 2010

Nein zum Neubau einer 380-kV-Leitung über den Thüringer Wald - Umrüstung der bestehenden 380-kV-Leitung Remptendorf–Redwitz mit Hochtemperaturseilen (HTS) als alternative Technologie


Antrag der Fraktion DIE LINKE - Drucksache 5/1762 -

Die Landesregierung wird aufgefordert,

  1. im Dialog mit der Vorhabensträgerin auf den Einsatz von Hochtemperaturseilen als alternative Technologie auf bestehenden 380-kV-Leitungenin Thüringen hinzuwirken - gegebenenfalls auch im Rahmenvon Modellprojekten - und damit den Bau neuer Höchstspannungsleitungenzu verhindern,
  2. im Dialog mit der Vorhabensträgerin die 380-kV-Leitung Remptendorf–Redwitz im Sinne der unter Nummer 1 genannten Parameterzu optimieren und damit diese Trasse als Modellprojekt und als erstein Deutschland mit Hochtemperaturseilen (HTS-Technik) auszustatten,
  3. mit der Realisierung des Modellprojektes die Planung und den Bauder 380-kV-Leitung Halle–Schweinfurt sofort einzustellen,
  4. den Landtag über die Ergebnisse zu unterrichten.

Begründung:

Bereits bei der Beurteilung der Notwendigkeit einer 380-kV-Leitung Halle–Schweinfurt im Gutachten der Professoren Jarass und Obermair (ATW- Forschung mbH Wiesbaden) von Oktober 2007 wird dargestellt, dassmittels Freileitungsmonitoring und der Neubeseilung der bestehenden380-kV-Leitung Remptendorf–Redwitz mit Hochtemperaturseilen Übertragungsleistungenim Höchstspannungsnetz erreicht werden können,die ausreichen, den voraussehbaren Bedarf der Stromübertragung vonThüringen nach Bayern zu gewährleisten.

Weltweit gibt es verschiedene Firmen, die diese Technik bei Bauprojektenbereits zum Einsatz gebracht haben. Diese Leitungen befinden sichschon in Betrieb. Eine dieser Firmen hat in der Anhörung des Ausschussesfür Wirtschaft, Technologie und Arbeit des Thüringer Landtags am18. Mai 2010 überzeugend die technische Realisierbarkeit dargestellt.

Der wirtschaftliche Vorteil liegt auf der Hand. Selbst bei vorsichtiger Schätzung ist davon auszugehen, dass die lnvestitionskosten für die Umrüstung nur einen Bruchteil der Kosten des geplanten Trassenneubausbetragen und, wie durch Jarass ausgeführt, die notwendigen Übertragungskapazitäten erreicht werden. Die Einführung der HTS-Technik in Deutschland kann nicht ohne politische Unterstützung erfolgen.

Neue Energieformen bedürfen auch anderer Transportmittel. Insofern muss auch die Einführung neuer hochmoderner Übertragungstechnologien in Deutschland in der Einführungs- undModellphase unterstützt werden.

Im Rahmen des Modellprojektes "HTS auf bestehender 380-kV-LeitungRemptendorf–Redwitz" müssen durch den Freistaat Thüringen insbesondere rechtliche Rahmenbedingungen und ordnungspolitische Sicherheitgeschaffen werden, die es dem Netzbetreiber ermöglichen, diese für das Bundesgebiet neue HTS-Technologie einzuführen und damit die für die Energiewende notwendige Netzoptimierung zu ermöglichen.

Der Widerstand der Bürgerinitiativen in Thüringen und Bayern gegen den Neubau einer weiteren 380-kV-Leitung über den Kamm des Thüringer Waldes ist ungebrochen. Das Energieleitungsbeschleunigungsausbaugesetz (EnLAG) des Bundes ist verfassungsrechtlich bedenklich und ist zudem im Fall der Höchstspannungsleitung Halle–Schweinfurt keine wirksame Lösung, weil die darin aufgezeigte Option, einer Erdverkabelungbei der Rennsteigquerung, keine Alternative darstellt.

Thüringen sollte auch mit Blick auf das Staatsziel der umweltgerechten Energieversorgung (Artikel 31 der Verfassung des Freistaats Thüringen)bei der Einführung von HTS für die Stromübertragung vorangehen. Mit dem Thüringer Wald und dem Rennsteig als wichtige Markenzeichen ist es geradezu prädestiniert, seine hervorragend entwickelten wissenschaftlichen Ressourcen dafür einzusetzen, im Einklang mit den Bürgerinnen und Bürgern natur- und landschaftsschonende Verfahren der Energieübertragung voranzutreiben.

Die Bundesrepublik verfügt schon jetzt mit 1,78 Millionen Kilometer Stromnetz im Nieder- und Mittelspannungsbereich und zusätzlichen 35 700 Kilometer im Höchstspannungsnetz über eines der engmaschigsten Stromnetze der Welt. Dieses mit HTS zu optimieren ist in jeder Hinsicht besser, als immer neue Leitungen zu bauen.