Kultur neu denken: Macht, Reformation, Freiheit – Wo bleibt Thomas Müntzer?

Die fünfte Veranstaltung der bemerkenswerten Reihe „Kultur neu denken“, zu der die Bundestagsfraktion und die Landtagsfraktion der LINKEN gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung seit dem Jahr 2006 an besonderen Orten in Thüringen einladen, stand am 12. und 13. Mai in Mühlhausen unter der Überschrift: „Macht, Reformation, Freiheit – Wo bleibt Thomas Müntzer?“ Mit Verweis auf die Reformationsdekade, die dieses Land von 2007 bis 2017 feiert und bei der es fast ausschließlich um Martin Luther geht, sagte die kulturpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Luc Jochimsen, „aber Luther hatte bedeutende Zeitgenossen, zum Beispiel Thomas Müntzer. An den erinnert interessanterweise niemand, dabei steht gerade er für soziale Gerechtigkeit und direkte Demokratie. In der Bundesrepublik totgeschwiegen, in der DDR als Gründungsfigur des Arbeiter- und Bauernstaates instrumentalisiert – gerade jetzt können wir seine Rolle in der deutschen Geschichte neu definieren.“
Einen Maßstäbe setzenden Ansatz dazu hat die LINKE in den sehr gut besuchten Veranstaltungen in der Kilianikirche und in der Kornmarktkirche – an Müntzers Wirkungsstätte in Mühlhausen – unternommen. Über Thomas Müntzers Utopie vom Land der Freien und Gleichen und dem, was für die Gesellschaft heute mit ihren Brüchen folgt, wurde gemeinsam und leidenschaftlich diskutiert mit Theologen, Wissenschaftlern und Politikern, wie Margot Käßmann, Elfriede Begrich und Walter Homolka, Günter Vogler, Hans-Jürgen Goertz und Josef Freitag, Reinhard Höppner, Peter Gauweiler und Bodo Ramelow.
Zum Auftakt in der Kilianikirche, wo das Dokudrama „Der Satan von Allstedt“ gezeigt wurde, hatte die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Thüringer Landtag, Birgit Klaubert, an den Beginn und den bisherigen Weg der „Kultur neu denken“-Reihe erinnert: Über Bad Frankenhausen, Erfurt, Weimar und Gotha in den Unstrut-Hainich Kreis. „Nach jeder Veranstaltung sind wir alle ein bisschen klüger geworden“ sagte sie und verwies auf den roten Faden: „Alle Veranstaltungen liegen mit ihrem Thema zwischen den beiden Polen Macht und Freiheit, die unser Leben seit Menschengedenken bestimmen“.
