28. Februar 2018

Nr. 4/2018, Seite 2: Streiken lohnt!

Mehr Lohn, weniger Arbeit: Erfolg für die Beschäftigten der Metallindustrie

»Der Arbeitskampf hat sich gelohnt, klasse gemacht!«, freute sich Susanne Hennig-Wellsow, nachdem die Einigung zwischen der Industriegewerkschaft Metall und den Arbeitgebern in der jüngsten Tarifauseinandersetzung bekannt wurde. »Ich finde die Vereinbarung beispielgebend für andere Branchen - vor allem das flexible Absenken der Arbeitszeit im Sinne der Beschäftigten«, sagte die Vorsitzende der Thüringer Linksfraktion und der Landespartei DIE LINKE.

Die Beschäftigten erhalten laut Gewerkschaft nun einmalig 100 Euro zusätzlich, ab 1. April 2018 4,3 Prozent mehr Geld und ab 2019 ein tarifliches Zusatzgeld. Außerdem können Beschäftigte in Vollzeit ab 2019 ihre Arbeitszeit bis zu zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden in der Woche reduzieren. Eltern, Pflegende und Schichtarbeiter können statt eines tariflichen Zusatzgeldes acht freie Tage wählen. Das Ergebnis sei »ein Paradigmenwechsel in der Frage der Arbeitszeitgestaltung«, sagte Jörg Köhlinger von der IG Metall Mitte. Der Einigung waren bundesweite Warnstreiks mit insgesamt Hunderttausenden Beschäftigten vorausgegangen - auch in Thüringen waren die Kolleginnen und Kollegen auf der Straße. DIE LINKE unterstützte die Forderungen der Beschäftigten ausdrücklich.

Debatte über Arbeitszeit
Auch Rainer Kräuter, gewerkschaftspolitischer Sprecher der Thüringer Linksfraktion, freute sich: »Der Abschluss ist ein guter Kompromiss zwischen den Verhandlungspartnern. Damit ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gelungen. Die prozentuale Tarifsteigerung muss auch im Kontext der langen Vertragslaufzeit von 27 Monaten betrachtet werden. Die Gewerkschaft hat die mögliche Inflationsrate der nächsten Jahre für die Beschäftigten kompensiert und mit dem Zusatzgeld ein deutliches Plus erstritten«, analysiert er. Kräuter wies zudem auf die Bedeutung der Vereinbarung zur »verkürzten Vollzeit« für die Beschäftigten hin: »Die IG Metall hat damit ein zukunftsfähiges Arbeitszeitmodell umgesetzt. Das ist ein wichtiges Signal, um eine grundsätzliche Debatte über neue Arbeitszeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzuleiten.«

Gleiche Arbeit, gleiches Geld!
Immer wieder drängt DIE LINKE darauf, endlich die geringeren Löhne und schlechteren Arbeitsbedingungen in Ostdeutschland auf West-Niveau anzuheben. In der Tarifvereinbarung wurde nun zudem vereinbart, im ersten Halbjahr 2018 Gespräche zur Angleichung der Thüringer an die westlichen Tarifverträge und Arbeitsbedingungen aufzunehmen. Kräuter sagte dazu: »Warum 28 Jahre nach der Wende immer noch über unterschiedliche Arbeitsbedingungen und Löhne in Ost und West gesprochen wird, kann wohl niemand mehr vernünftig erklären. Ich bin der IG Metall in Thüringen daher dankbar, dass sie sich auch in Zukunft mit dem Arbeitgeberverband an einen Tisch setzen wird, um über die Angleichung der Arbeitsbedingungen zwischen Ost und West zu verhandeln.«

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