14. Juni 2018

Nr. 11/2018, Seite 7: "Macht weiter, unsere Unterstützung habt ihr!"

DIE LINKE unterstützt Beschäftigte im Arbeitskampf an der "Celenus Klinik" Bad Langensalza

Beschäftigte der "Celenus Klinik" in Bad Langensalza kämpfen um ihre Rechte, einen Tarifvertrag und faires Gehalt. Bisher bekommen sie deutlich zu wenig Lohn. Auf skandalöse Weise bekämpft der Klinik-Konzern zudem die Rechte der Beschäftigten und kündigte zwei Mitarbeiterinnen, die Info-Material zum Arbeitskampf verteilten. Der Thüringer Landtag befasste sich in einer Aktuellen Stunde am 23. Mai 2018 mit dem Thema - auf den Besuchersitzen auch KollegInnen der Klinik. Während sich DIE LINKE, SPD und Grüne an die Seite der Beschäftigten stellten, schwankte die CDU in ihrer Positionierung und die rechtsextreme AfD attackierte offen die Gewerkschaften und schlug sich im Ergebnis so auf die Seite des Konzerns. Wir dokumentieren die Rede des Landtagsabgeordneten Jörg Kubitzki (DIE LINKE) im Parlament:


"Wir als Fraktion Die Linke bekennen uns voll zu Ihrem Arbeitskampf. Ich habe das schon im Kreistag des Unstrut-Hainich-Krei- ses gesagt und ich sage das auch hier noch mal: Sie verdienen unsere gesamte Solidarität! (...) Die Vergütung der Fachkräfte in der Celenus Klinik in Bad Langensalza liegt ungefähr 56 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Reha-Kliniken in der Bundesrepublik im Durchschnitt - als Beispiel seien die Reha-Kliniken der Deutschen Rentenversicherung genannt. 56 Prozent niedriger! Wie drückt sich das in Lohnzahlen aus? Physiotherapeuten bekommen in Bad Langensalza im Schnitt 2.100 Euro statt wie üblich 2.988 Euro. Oder die Kräfte, die in der Pflege tätig sind: Sie bekommen 2.100 Euro statt 3.295 Euro, wie das in anderen Reha-Kliniken üblich ist. Ich glaube, die Zahlen alleine beweisen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Celenus Klinik einen Anspruch haben, einen ordentlichen Tarifvertrag zu bekommen und dafür auch zu kämpfen.
(...) Die Gewerkschaften müssen mit Unterstützung in der Lage sein, dass ordentliche Tarifverträge zustande kommen. Deshalb spielt ver. di nicht ihr eigenes Spiel, sondern ver.di unterstützt die Mitarbeiterinnen in Bad Langensalza und das ist gut so!

Ich habe auch überlegt, ob ich mit der Geschäftsführung Verbindung aufnehme. Ich habe dann davon Abstand genommen, weil ich mit Gesetzesverletzern nicht kommunizieren will. Es ist einmalig in Deutschland seit den 70er-Jahren, dass Mitarbeiter- und Gewerkschafterinnen gekündigt wird, weil sie Material verteilen. (...) Klar haben die Patienten das Recht, zu wissen, unter welchen Arbeitsbedingungen die Mitarbeiter in der Klinik arbeiten müssen (.). Und eines möchte ich an dieser Stelle sagen: Wir kämpfen in diesem Land für die gesellschaftliche Anerkennung der Pflegeberufe. Wir brauchen Pflegekräfte.

Wie soll ich junge Menschen motivieren, so einen Pflegeberuf zu ergreifen, wenn es Kliniken gibt, Konzerne gibt, die denen einen Hungerlohn zahlen, sodass die Mitarbeiter gezwungen sind, um ihre Rechte zu kämpfen? Wie soll ich da junge Menschen motivieren? Gerade bei uns im Unstrut-Hainich-Kreis bilden wir Altenpfleger aus, wir kriegen Lehrklassen nicht voll. Das Beispiel, was Celenus mit euch macht, zeigt auch und treibt junge Menschen dazu, diesen Beruf nicht zu ergreifen, weil die sagen, damit kann ich meinen Lebensunterhalt nicht finanzieren. Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen, habt ihr auch da eine große Verantwortung für die Jugend. Ich kann euch nur auffordern, setzt euren Streik fort! Wir helfen euch dabei und wir unterstützen euch dabei. Wir können nicht auf der einen Seite fordern, wir brauchen solche Berufe, und auf der anderen Seite schauen wir zu, wie die schlecht bezahlt werden.

Ihr könntet (.) garantiert in anderen Einrichtungen Arbeit finden (.). Aber das würde bedeuten, dass dann der Konzern vielleicht sogar recht bekommt, weil er an euch ein Exempel statuieren will und diese Klinik schließt oder er macht das, was er schon gemacht hat, er holt Arbeiterinnen aus Sachsen, die in der Küche arbeiten, um euren Streik zu brechen. Das ist Kapitalismus pur. Deshalb kann ich euch nur noch auffordern, setzt euren Streik fort, es geht auch um die Attraktivität des Kurortstandorts Bad Langensalza. Mit eurer Klinik, die ihr aufgebaut habt, wächst auch die Attraktivität oder ist die Attraktivität dieser Stadt gegeben. Gibt es die Klinik nicht mehr, verliert Bad Langensalza seinen Kurortstatus und das darf nicht sein. Also ich mache euch noch mal Mut: Macht weiter, unsere Unterstützung habt ihr!"

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